Sind die Ergebnisse Ihrer Web-Site-Suche relevant genug?
Viele Nutzer verschmähen die Navigation und bevorzugen die Suche, um durch eine Web-Site zu navigieren. Nur, finden die Nutzer auch was sie suchen? Die Such-Analyse beantwortet diese Frage.
Zur Vermeidung von Missverständnissen: In diesem Artikel geht es darum, die Suche Ihrer Web-Site zu durchleuchten und zu optimieren. Es geht nicht um Suchmaschinen-Optimierung (SEO), d.h. darum Ihre Web-Site fit zu machen für Google und Co.
Wir kümmern uns in diesem Artikel darum die bereits angekommenen Nutzer optimal zu bedienen.
Die Such-Analyse in der Praxis
Die Log-files der internen Suche sind Bücher der Erkenntnis. Wer sie lesen kann, erfährt viel über die Wünsche und Interessen der Nutzer seiner Web-Site. Das Problem: Es gibt bis jetzt kaum handfeste Kennzahlen anhand derer sich die Qualität der Site-Suche bewerten lässt. Bis jetzt standen die Such-Algorithmen im Vordergrund des Interesses. Es ging darum eine bessere Suche zu programmieren, statt die vorhandene Suchfunktion und den Inhalt der Web-Site besser auf einander abzustimmen und so die Relevanz der Suchergebnisse zu erhöhen.
Um eine Such-Analyse durchzuführen, brauchen Sie keine spezielle Software anzuschaffen. Es reicht, wenn Sie die Log-Dateien in eine Datenbank wie Access importieren. Bei kleineren Web-Präsenzen lassen sich die Daten sogar mit Hilfe von Excel auswerten.
Die Log-Datei sollte mindestens eine Woche umfassen, besser sind jedoch längere Zeiträume von einigen Wochen bzw. Monaten.
Die Log-Dateien sollten die folgenden Informationen enthalten: IP-Adresse des Nutzers, Zeitpunkt der Suchabfrage, verwendeter Suchbegriff und Anzahl der Treffer.
Folgende Ansätze haben sich bei der Such-Analyse bewährt:
Analyse der am häufigsten gesuchten Begriffe
Legen Sie einen Report an, der Ihnen die 50 häufigsten Suchwörter samt zugehöriger Treffer zeigt. Sortieren Sie diese Liste nach der Anzahl der Treffer und konzentrieren Sie sich bei der Optimierung der Suche auf die Extreme. Also auf die Begriffe, bei denen Ihre Web-Site sehr viele Ergebnisse liefert und die Begriffe, bei denen Ihre Web-Site sehr wenige - vielleicht überhaupt keine - Ergebnisse liefert.
Populäre Suchbegriffe, die nur sehr wenige Ergebnisse bringen können ein Zeichen für einen Mangel an Inhalten sein. Populäre Suchbegriffe, die sehr viele Treffer bringen können dazu führen, daß der Nutzer die Suche als irrelevant abtut, weil er mit der Flut der Ergebnisse nicht zurechtkommt.
Wenn Sie dann noch Zeit übrig haben, sollten Sie selbstverständlich auch die anderen Suchvorgänge nachvollziehen und dabei prüfen, wie zufrieden Sie mit den erzielten Treffern sind.
Analyse der Suchbegriffe mit wenig Treffern
Populäre Suchbegriffe der zweiten Reihe, die zwar oft genutzt werden, aber nicht so häufig, dass sie in der Liste der Top-Suchbegriffe auftauchen sind ebenfalls optimierungswürdig.
Filtern Sie diese Begriffe heraus, indem Sie eine Liste der 200 am häufigsten genutzten Suchbegriffe anlegen und diese nach der Trefferzahl sortieren. Optimieren Sie dann die 20 Begriffe mit den wenigsten Treffern.
Vollziehen Sie dazu jede Suche nach und prüfen Sie, wie relevant und vor allem vollständig die Ergebnisse sind. In vielen Fällen werden Sie mit den Ergebnissen zufrieden sein, doch hin und wieder wird Ihnen eine missratene Ergebnisseite auffallen. Beispielsweise werden Sie feststellen, dass eine wichtige - thematisch passende - Seite Ihres Angebotes nicht in den Suchergebnissen enthalten ist, weil das vom Nutzer verwendete Suchwort nicht auf dieser Seite zu finden ist.
Einzelwort-Analyse
Sie werden feststellen, dass viele Nutzer Zwei- oder Drei-Wort-Phrasen nutzen. Die beiden obigen Analysemethoden erfassen, wie gut Ihre Suche mit den eingegebenen Suchbegriffen zurechtkommt. Leichte Unterschiede in der Schreibweise von Mehr-Wort-Phrasen können die Ergebnisse der ersten beiden Analysen leicht verzerren.
Deshalb kann es sinnvoll sein, diese Phrasen in einzelne Wörter zu zerlegen und dann die am häufigsten vorkommenden Worte zu analysieren.
Analyse der Fehlermeldungen
Auf jeden Fall anzuraten ist eine Analyse der Fehlermeldungen die Ihre Suche ausgibt. Klassifizieren Sie die Fehlermeldungen, dann sehen Sie sofort bei welche Fehlerklasse Sie ansetzen müssen. Typische Fehler sind:
- Der Nutzer startet eine Suche ohne vorher ein Suchbegriff eingegeben zu haben.
- Falsch geschriebene Begriffe
- Fehler beim Einsatz von bool´schen Operatoren wie "+" und "-"
Sprechen Sie mit Ihrer IT-Abteilung um herauszufinden, welche Änderungen unaufwendig durchzuführen sind.
Analyse des Such-Kontextes
Klassifizieren Sie die Suchbegriffe um herauszufinden, in welchem Kontext Ihre Nutzer die Suche verwenden. Diese Analyse macht deutlich, welche Bereiche Ihrer Web-Site für die Nutzer besonders interessant sind. Dieses Wissen hilft Ihnen gezielt neue Inhalte für Ihre Web-Site zu entwickeln. Bei umfänglichen Log-Files kann dieses Unternehmen in eine Herkules-Arbeit ausarten. Bevor Sie Tage und Wochen damit verbringen jedem Suchbegriff inhaltlich einen Bereich Ihrer Web-Site zuzuordnen sollten Sie mit gesundem Menschenverstand das Log-File überfliegen, die wichtigsten Suchbegriffe gruppieren und dann die inhaltliche Zuordnung vornehmen. So lassen sich beispielsweise die Begriffe Jobs, Bewerbung, Personalabteilung, Karriere und offene Stellen alle dem Bereich "Job & Karriere" zuordnen.
Analyse der Suchbegriffe nach Nutzer-Segment
Interessante Einblicke in die Qualität der Site-Suche vermittelt die Analyse der Suchbegriffe nach Nutzer-Segmenten. Mitarbeiter, Geschäftspartner oder wichtige Kunden, also Nutzergruppen, die mit Ihrem Angebot gut vertraut sind, werden höchstwahrscheinlich die Suche ganz anders nutzen als ein Neukunde oder ein Nutzer, der sich um eine freie Stelle bewerben will.
Vorher definierte Nutzergruppen werden über IP-Adressen oder Cookies identifiziert und dann getrennt voneinander analysiert.
Sie haben dann die Möglichkeit die Suche für die Nutzergruppen, die Ihnen besonders am Herzen liegen vordringlich zu optimieren.
Fazit
Eine Such-Analyse lässt sich nicht von heute auf morgen durchführen. Während sich die ersten drei Analysen relativ zügig durchführen lassen, sollten Sie für die letzten drei Analysen deutlich mehr Zeit einplanen. Wenn Sie an einer umfassenden Analyse und Optimierung Ihrer Suche interessiert sind, sollten Sie einen Aufwand von einigen Tagen kalkulieren.In welchen Abständen sollte eine Analyse wiederholt werden? Das hängt von den Ergebnissen der ersten Analyse ab. Wenn Sie gravierende Probleme festgestellte haben und dementsprechend umfangreiche Änderungen vorgenommen haben, sollten Sie die Analyse nach einem Monat wiederholen. Für die meisten Fälle reicht eine zweimonatliche oder vierteljährliche Analyse vollkommen aus. Wenn Ihre Web-Site allerdings ein integraler Bestandteil Ihres Geschäfts ist (ein signifikanter Anteil Ihrer Umsätze wird über das Internet generiert), sollten Sie über eine höhere Frequenz nachdenken oder sogar eine kontinuierliche Such-Analyse aufsetzen.
Weitere Artikel:
Voriger Artikel: A/B TestreihenNächster Artikel: Die meisten Nutzer surfen mit einer Bildschirmauflösung von 1024 x 768 Pixeln.
Kommentare unserer Leser
Guter Beitrag. Danke
Geschrieben von J. Box am 19.07.06 um 22:38 Uhr
